So gehe ich mit Stress um

Es gibt Zeiten, in denen man glaubt, in seinem eigenen Leben zu ersticken. Bei mir passiert dies, wenn ich eine vollgepackte Woche vor mir liegen sehe und mich frage, wann ich auch nur eine Stunde wirklich für mich alleine habe. Gestern war so ein Moment und ich musste mich abends nach dem Training um Mitternacht einfach kurz hinsetzen und über meiner Woche brüten, damit alles am Ende hineinpasst und aufgeht. Und siehe da, einmal aufgeschrieben, habe ich doch noch ein paar Leerstellen gefunden, nämlich, wenn ich immer früh genug aufstehe und dem Tag ganz einfach mehr Stunden gebe. Im gleichen Moment hat sich mein Blickwinkel wie magisch nach aussen bewegt und ich konnte meine Situation einmal nüchtern betrachten. Was mich stresst, sind nicht die Dinge an sich, sondern das, was ich mir daraus konstruiere. Jetzt gerade zum Beispiel habe ich faktisch 10 Minuten für mich, also 10 Minuten Platz in meinem Leben. Ich aber sitze hier und werde von Konstrukten wie der Bachelorarbeit, Erledigungen, Training und Diät förmlich belagert. Halt, Stopp – das alles ist doch später dran!

Ein absurdes Gedankenexperiment

Ok, das war einfach zu erkennen und die Floskel «im Hier und Jetzt leben» haben wir doch alle schon hinter uns. Doch, die Wand, gegen die ich dabei laufe, drückt mein innerstes Gefühl aus: Wie soll ich im Hier und Jetzt leben, wenn da kein Platz ist? Irgendwie muss ich es schaffen, diese Konstrukte von mir zu heben. Wie immer in solch klaustrophobischen Situationen hilft der Schneidersitz auf dem Boden. Ja, ich spreche von Meditation. Auch hier nehme ich mir diese 10 Minuten, auch wenn es bereits um 1 Uhr morgens schlägt – ich bin es mir auch um diese Zeit noch Wert. Diese Meditation war die beste Entscheidung, denn durch sie habe ich mir einem kreativen Gedankenexperiment meinen Platz zurückgeholt. Anfangs war ich überhaupt nicht entspannt, mein Atem ging alles andere als Tief und mein Herz raste. Ich fühlte einfach ohne Erwartungen, was gerade «ist». Dabei konnte ich deutlich die einengenden Konstrukte wahrnehmen – sie schwebten schwer über mir und nur ein Abstand, nicht einmal so klein wie der zwischen den Zähnen trennte diese Bleiwolken von meiner Haut. Aber, es gab sie überall, diese minimalsten Abstände. Da! Da kann ich ansetzen. Und nun kommt der absurde Teil.

Ich kann nichts dafür, aber mein Bewusstsein hat ein ziemlich witziges Gedankenexperiment gewählt, um diese Last von mir zu heben. Zwischen diesen Millimeterabstand passte nämlich gerade ein leerer Luftballon. Plötzlich steckte also ein Ballon zwischen mir und einer besonders schweren Wolke, und was tue ich in einer solchen Situation? Ganz genau, aufblasen. Kennt ihr den ersten Atemstoss, den man beim Aufblasen überwinden muss und dann geht es ganz leicht? Zum Glück hat mich niemand beobachtet, denn ich schwöre, genau so hat sich prompt meine Atmung angefühlt. Natürlich musste ich innerlich unbeschwert lachen, da ich die Idee derart amüsant fand. Mit jedem mentalen Atemstoss entfernte sich die erste Bleiwolke und mein Körper fiel ruckartig entspannt in sich zusammen. Ich fand das Gefühl unglaublich angenehm und wiederholte das Ganze bei jedem Zwischenraum, vergrösserte ihn und zerplatzte am Ende alle Ballons. Alles Gewicht schwebte plötzlich eine Ballonweite von mir entfernt und ich konnte frei atmen, hatte plötzlich wieder Platz und war tiefenentspannt. Dieses Gefühl hält auch jetzt, am nächste Tag noch an und die Woche bereitet mir keinerlei Stress mehr. Beim kleinsten Anflug von Platzangst muss ich nur wieder an den Abstand erinnern, der zwischen mir und meinen Konstrukten liegt. Und muss dabei lächeln.

Stärker als das „Äussere“ sein

In der Meditation findet man immer die kleinste Hintertür aus einer Situation und diese stösst man auf – so absurd sie auch sein mag. Man lernt, kleinste Freiheiten so zu nutzen, dass sie unendlich werden. Meditieren hat es für mich erfahrbar gemacht, dass Schicksal in zwei Richtungen läuft: Entweder, die Welt wirkt auf dich oder du auf die Welt, je nachdem, wer stärker ist. Der äussere Einfluss soll möglichst verschwinden, während der innere wächst und ich so mein Leben bewusst lenken kann.

Stay Relieved!

Andrea

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Von Extremen und Kontrasten: Buli(Mia)

Für diejenigen, die Bulimie vielleicht abstösst, sie aber trotzdem verstehen wollen. Und vor allem für diejenigen, die sie selbst kennen.

Was viele nicht wissen, aber prägender Teil meiner «fitness-journey» ist: Die Bulimie, liebevoll «Mia» genannt, hat mich jahrelang begleitet. Inzwischen bin ich an einem anderen Punkt, jedoch besucht mich diese gute alte Freundin auch heute in seltenen Fällen noch. Ob ich sie jemals zu 100% loswerden, frage ich mich – aber so, wie es mir jetzt geht, würde ich mich seit 3 Jahren als geheilt bezeichnen.

Ich habe mich nie gross zu «Mia» geäussert, auch wenn ich weiss, dass viele (!) mit einem gestörten Essverhalten kämpfen. Gerade das Binge-eating ist ein naher Verwandter der Mia und betrifft in der Fitnessszene viele. Nun möchte ich aber diese «Krankheit, über die niemand spricht» aus der Schweigespirale hinausheben. Ja, Bulimie ist eine unschöne Krankheit und bringt einen in Situationen, die ich im Nachhinein wirklich als menschenunwürdig betrachte. Das Schlimmste daran ist, dass man sich selbst an diesen Punkt bringt – und zwar immer und immer wieder. Wer spricht schon gerne über seine eigenen Schwächen, und vor allem dann, wenn sie sich so extrem äussern?

Kein Leben ohne Mia

Als Aussenstehender kann man sich unmöglich vorstellen, wie sich so ein Essanfall und das Erbrechen anfühlt. Ich will es euch erklären: Unbestimmtes Unbehagen beim Aufstehen, kein Blick in den Spiegel, möglichst kleine Bewegungen, damit ich meinen Körper nicht spüre. Es fühlt sich alles taub an, schlimmer als Schmerz und nur Schmerz kann mich aufwecken. Obwohl ich keinen Hunger habe und bereits Blut spucke, gehe ich mechanisch zum Schrank und plane, wie ich heute essen sollte, um ein möglichst angenehmes Erbrechen zu ermöglichen: Einen Boden mit normalem Essen legen, heisses Wasser trinken und einen neutralisierenden Joghurt hinterher essen, damit die Masse meine Speiseröhre nicht noch mehr aufkratzt. Der Magen ist aber erst halbvoll, Erbrechen lohnt sich noch nicht – also weiter, weiter, weiter, bis ich kaum mehr atmen kann. Dann endlich erlösen: Der Magen fühlt sich leerer an, als beim Aufstehen, leerer noch, als die Taubheit. Diese neue, selbst herbeigeführte Taubheit gibt mir das Gefühl von genügend Kontrolle, um den Tag durchzustehen. Die Leere ist jedes Mal ein Neubeginn. Bis die Taubheit wieder an die Tür klopft. Und die Taubheit wieder nach Leere verlangt. Weiterlesen

Zwischen Oben und Unten

Hallo aus Australien!

Auch schon gehört, dass einen das Reisen weiterbringt? Zumindest hat es in mir einige Gedanken geweckt und ich habe bereits einige Texte verfassen müssen (vom Textgeist getrieben, wie immer!). Ein grosses Thema in meinem Leben ist die Ambiguität (Mehrartigkeit) unseres Daseins. Instagram spielt eine wichtige Rolle, denn immer mehr sprechen mich eher negativ auf die Oberflächlichkeit dieser Welt an. Doch vielleicht hat gerade die Oberfläche auch Vorteile und wird als Gegenpol für die Tiefsinnigkeit zum Ausgleich benötigt? Muss ich wirklich jeden einzelnen Moment für mich selbst behalten, damit er Tiefe beanspruchen darf? Oder können Mitmenschen einen Mehrwert aus meiner Weltansicht ziehen? Hier ist der zugegebenermassen ziemlich «random» Text dazu.

Heutzutage scheint das Reisen ganz kommun und alltäglich zu sein, jeder kann es sich leisten und die Mittel und Wege sind einfach zugänglich geworden. Laut Instagram sollte man sich sogar gezwungen fühlen, in die Ferne auszureissen und tolle Bilder zu schiessen, schliesslich muss man mithalten können. Doch wie es bei vielen Trends der Fall ist, vergisst man oft die tiefere Bedeutung eines Lifestyles. Wie ein Eisläufer kratzt man zwar kunstvoll an der Oberfläche eines gefrorenen Sees, bewundernde Blicke der Zuschauer treiben einen an, jedoch bleibt einem die darunterliegende Welt verborgen. Kein Wunder, es ist einfacher, leichtfüssig auf dem Eis zu tanzen anstatt sich in die kalten, dumpfen Tiefen des Wassers zu wagen. Die Frage stellt sich natürlich, weshalb sich einer die Qual des auf-den-Grund-gehens antun sollte, wenn der Nutzen der Kunst am Tageslicht doch so viel grösser scheint. Auch ich finde grundsätzlich nichts Verwerfliches dabei, das Leben manchmal einfach Kopflos zu geniessen und zu tanzen. Aber geht dabei nicht die bewusste Erfahrung und Weiterentwicklung verloren? Weiterlesen

Rüttle deinen Stoffwechsel wach!

Auch wenn ich mir damals selbst als Geist erschienen wäre, hätte ich mir nicht geglaubt, dass ich jemals eine lockere Beziehung zum Thema Ernährung erreichen würde. Die Rede ist von der Zeit, als ich über ein Jahr genau 1500kcal pro Tag oder weniger konsumiert habe, obwohl ich bereits fast täglich ein hartes Training absolvierte. Man könnte daraus schliessen, dass ich eine Zeitlang sehr dünn gewesen sein musste. Oh nein! Im Gegenteil. Mit viel Mühe konnte ich meine 63 Kilos halten, denn mein Körper hatte sich an diese deutliche Unterernährung über die Zeit gewöhnt und den Stoffwechsel heruntergeschraubt.

Auch der Diabetes wurde zum Feind, denn nicht selten stürzte mein Blutzucker in die ungemessene Tiefe der Verzweiflung, wodurch ich den Kohlenhydratmangel mit Zucker ausgleichen musste und schlussendlich trotzdem «mehr» gegessen habe. Deswegen versuchte ich, noch weniger zu essen, um die Zuckeraufnahme zu kompensieren. Wie zu erwarten verstärkte sich dadurch der Effekt nur, denn als mir somit 1300kcal für normales Essen blieben, stürzte der Blutzucker nur noch mehr in die Tiefe. Dass ich meinen Stoffwechsel zerstört haben könnte, kam mir erst spät in den Sinn. Dies zu akzeptieren war nicht einfach, denn meiner Meinung nach «machte ich doch alles richtig». Weiterlesen